Hallo ihr Lieben!

Hier sind unsere Ideen und Ziele zu den aktuell kontrovers diskutierten Themen Mobilität und Stadtgestaltung.

Grüne Jugend Aachen – Unsere Ideen zum Thema Mobilität und Verkehr in Aachen
November 2019

Wir Mitglieder der Grünen Jugend Aachen haben uns gemeinsam Gedanken darüber gemacht, wie wir unsere Stadt lebenswerter, umweltfreundlicher und nachhaltiger gestalten können. Dabei sehen wir erheblichen Verbesserungsbedarf in den Bereichen Mobilität, Verkehr und Stadtraumgestaltung. Wir wünschen uns mehr Platz für alle Menschen in der Stadt und möchten eine sozial gerechte Stadt.
Vor dem Hintergrund des „Klimanotstandes“ in Aachen wollen wir auch konkrete Maßnahmen umsetzen, die den CO2- und Stickoxid-Ausstoß durch den Verkehr reduzieren. Neben der Notwendigkeit einer „Antriebswende“ weg vom Verbrennungsmotor ist es dabei die Aufgabe nachhaltiger Verkehrsplanung, zurückgelegte Wege umweltfreundlich zu gestalten und zu reduzieren.

Radverkehr
Wir stehen hinter den Forderungen der Gruppe „Radentscheid Aachen“ und wollen eine schnelle Umsetzung der sieben Ziele: Ein durchgängiges, engmaschiges Radwegenetz erstellen, Kreuzungen sicher gestalten, Sichere Radwege an Hauptstraßen, Geh- und Radwege durchgängig und einheitlich gestalten, Fahrradstellplätze umfassend ausbauen, Mängel online erheben und zeitnah beseitigen sowie die Verkehrswende konsequent und transparent fördern.
Wir sprechen uns gegen sogenannte „Umwelttrassen“ (Radfahrstreifen mit Freigabe für den Busverkehr) aus und fordern stattdessen baulich getrennte und vor allem für Kinder sichere Radwege. Bei einem Stadtbahnkonzept sollten leistungsfähige Radwege von Beginn an mitgedacht werden.
Zudem wünschen wir uns die Einführung des Grünpfeils für Rad fahrende beim Rechtsabbiegen an geeigneten Stellen.

ÖPNV
Wir wollen das Projekt Regiotram weiterdenken und favorisieren eine schienengebundene Anbindung des Campus West/Melaten. Als Zielkonzept stellen wir uns eine elektrifizierte Stadt-Umland-Bahn nach dem Vorbild des Karlsruher Modells vor, die unter Einbeziehung der Euregiobahn auch die Umliegenden Orte der Region (Alsdorf, Baesweiler Würselen, Kohlscheid, Herzogenrath, Eschweiler, Stolberg, Walheim, Aachen-Brand, Vaals und Jülich) anbindet. Durch umsteigefreie Verbindungen aus dem Umland in die Aachener Innenstadt werden viele Pendler*innen vom Auto auf den ÖPNV umsteigen.
Um kurzfristig einen schnelleren ÖPNV zu gewährleisten (und in Vorbereitung auf eine Stadtbahn) fordern wir die Markierung von Busspuren auf allen Ausfallstraßen und wenn möglich in der Innenstadt.
Zusätzlich wollen wir eine schnelle Umrüstung der Busflotte auf emissionsfreie Fahrzeuge (Vorbild Arriva Maastricht). Dies könnten neben batterieelektrischen Bussen auch Brennstoffzellenbusse oder Oberleitungsbusse (verknüpft mit dem Stadtbahnsystem) sein.
Wir brauchen kurzfristig ein „365-Euro-Ticket“ für den AVV, in Zukunft wünschen wir uns bei einem besser ausgebauten Nahverkehrssystem einen kostenlosen ÖPNV.

Straßenraumgestaltung und Verkehrsführung
Durch eine sinnvolle Straßenraumgestaltung und Verkehrsführung wollen wir mehr Platz für die Menschen in der Stadt schaffen. Wir halten eine Reduzierung des Autoverkehrs im Innenstadtbereich für notwendig, um einen schnellen ÖPNV, sichere Radwege sowie attraktive und einladende Fußgängerverbindungen umzusetzen.
Um den bereits beschlossenen Radverteilerring umzusetzen, schlagen wir drei Netzdurchtrennungen am Grabenring nach dem Vorbild der niederländischen Stadt Groningen vor: Am Templergraben, Theaterplatz und Bushof wird die Durchfahrt nur für Radverkehr, ÖPNV und Anwohner*innen der konkreten Bereiche erlaubt. Dadurch wird der Durchfahrtsverkehr innerhalb des Alleenrings stark reduziert und gleichzeitig die Erreichbarkeit aller Orte in der Innenstadt gewährleistet.
An vielen Orten in der Innenstadt entspricht die Straßenraumgestaltung nicht dem vorgeschriebenen Standard. Deshalb sollten alle Straßen entsprechend der „Richtlinien für die Anlage von Stadtstraßen“ umgebaut werden, beginnend an besonders kritischen Straßen und dort wo eine Straßenumgestaltung ansteht. Dadurch entstehen breitere Seitenräume und mehr Platz für Fußgänger*innen und Rad fahrende.
Wir wollen Parkplätze am Straßenrand stückweise reduzieren und stattdessen Grünflächen und öffentlichen Raum erweitern. Deshalb fordern wir, bei jeder Straßenumgestaltung innerhalb des Alleenrings keine Parkplätze am Straßenrand vorzusehen.

Parken
Straßenrandparken nimmt in der Innenstadt viel Platz weg, der besser anders genutzt werden könnte. Hinzu kommt durch den ohnehin schon hohen Parkdruck der sogenannte Parksuchverkehr, durch den die Innenstadt zusätzlich belastet wird.
Innerhalb des Alleenrings wollen wir Straßenrandparken nur für Anwohner*innen erlauben.
Gleichzeitig sollen alle Parkhäuser für Anwohner*innenparken geöffnet werden und die zentral gelegenen Parkhäuser „Dom“, „Annastraße“, „Rathaus“, „Großkölnstraße“ und „Adalbertstraße“ in Anwohner*innenparkhäuser umgewandelt werden. Wir fordern endlich die Schließung von Parkhaus Büchel und wünschen uns stattdessen Fußgängerzonen in diesem Bereich.
Wir fordern eine deutliche Erhöhung der Gebühren für einen Anwohner*innenparkausweis. Der Preis sollte an das Fahrzeuggewicht gekoppelt werden, da diese Größe einfach festzustellen ist und gleichzeitig auch andere Faktoren wie Emissionen oder Fahrzeuggröße gut abbildet. Lokal emissionsfreie Fahrzeuge sollen günstiger parken dürfen.
Auch für Auswärtige sollen die Parkgebühren in Innenstadtparkhäusern erhöht werden.
Zudem fordern wir einen massiven Aufbau von Ladeinfrastruktur in allen Parkhäusern.
Als Ausgleich für wegfallende Parkflächen in der Innenstadt fordern wir den Aufbau eines günstigeren und besseren Park+Ride Konzepts nach dem Vorbild Amsterdam.

Soziale Gerechtigkeit
Uns ist wichtig, dass jede*r bei den Veränderungen der Verkehrsplanung mitgenommen wird. Bei jeder beschlossenen Einschränkung muss auch eine Alternative zur Abfederung sozialer Probleme beschlossen werden bzw. das Gesamtkonzept aufgezeigt werden.
Außerdem fordern wir eine vollständige Barrierefreiheit im öffentlichen Raum und Nahverkehr, wie z.B. am Bahnhof Aachen West.

Sonstiges
Wir wollen innerhalb des Alleenrings nur noch emissionsfreien Lieferverkehr und verpflichtende Liefer-Hubs für alle Kurier-, Express- und Paketdienste.
Der Fernverkehr hat im Vergleich zur Nahmobilität einen signifikant höheren Anteil am gesamten CO2-Ausstoß. Deshalb fordern wir eine bessere Anbindung des Hauptbahnhofs, z.B. durch emissionsfreie Shuttle- und Sharing-Angebote, um Fernreisen mit Gepäck einfacher zu gestalten.

 

 

Grüne Jugend Position Mobilität und Verkehr November 2019